Unser Konzept
folgt inhaltlich Erkenntnissen der angewandten Verhaltensforschung bei Hunden zu deren artgerechter Aufzucht und Haltung im Sinne des Tierschutzgesetzes:
Lernen und Verhalten beim Hund
Selbstwirksamkeit als natürlicher Motivator und Lernturbo
Unsere Hunde sind von Natur aus mit inneren Antrieben ausgestattet, sich durch Eigenaktivität und Lernen ihre Welt zu erobern und sich die nötigen Fähigkeiten und Eigenschaften zur Lebensbewältigung schrittweise selbst aufzubauen. Das gilt für die körperlichen, geistigen und psychischen Fähigkeiten gleichermaßen. Entscheidend für das Entwicklungsergebnis ist das Zusammenwirken der genetischen Anlagen mit ihren jeweiligen epigenetischen Voreinstellungen in Wechselwirkung mit den verfügbaren Qualitäten der natürlichen, sozialen und zivilisatorischen Umwelt. Schon der gerade geworfene Welpe ist in
der Regel von sich aus in der Lage, durch eigene Aktivität und Anstrengung die nährende Zitze der Hündin zu erreichen und damit seine Entwicklung selbst voran zu bringen.
Selbstverständlich braucht ein Welpe auch eine instinktsicher fürsorgliche Hündin, die ihm ohne Einschränkung durch uns Menschen all das an Brutpflege angedeihen lässt, was für seine Entwicklung wichtig ist. Neben Schutz, Nahrung, Wärme und Pflege ist es vor allem die gefühlsmäßige Geborgenheit, also die emotionale Sicherheit, die seine Verhaltens- und Wesensentwicklung anführt. Denn erst durch die von Anfang an gebotene emotionale Sicherheit können die Eigenaktivitäten wie Neugier, Erkunden, Spielen und damit alle
Formen des Lernens entfaltet werden. Dies ist für eine positive Lern- und Wesensentwicklung entscheidend.
Kann ein Welpe aus seiner emotionalen Sicherheit heraus (Bindung!) seinen angeborenen Neugier- und Erkundungsdrang aktivieren, so lässt ihn das auch seine ebenfalls angeborene Angst vor Unbekanntem überwinden. Bei der Auseinandersetzung mit neuen Situationen und deren Bewältigung vollzieht sich das Prinzip des Lernens am Erfolg. Dabei werden die begleitenden Umstände eingeordnet und bewertet und daraus zunehmend wirkungsvollere Bewältigungs- und Lernstrategien entwickelt. Mit diesen frühen und sich wiederholenden Erfahrungen, durch eigenes Tun etwas zu bewirken, setzt sich ein Prozess mit weiteren
Effekten in Gang: Das Wandeln von Unsicherheit in Sicherheit, das Überwinden eines Hindernisses oder das Lösen eines Problems durch eigene Aktivität und Anstrengung führt im Gehirn zu Belohnungseffekten, die ein Lust- oder Hochgefühl, manchmal gar Euphorie entstehen lassen. In Erwartung dieser hohen inneren Belohnung werden die dazu nötigen Verhaltensleistungen immer wieder lustvoll motiviert erbracht. Je früher und häufiger solche so genannten Selbstwirksamkeitserfahrungen gemacht werden, umso stärker wächst das
Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Ausbildung des körpereigenen Belohnungssystems. So entsteht beim heranwachsenden Hund aus sich heraus eine Motivationslage, die als zielstrebiges Wollen und Können zu einem selbstsicheren Wesen führt. Solche souveränen Verhaltenseigenschaften können sich entgegen manchen Vorstellungen nicht etwa durch ständige Futterbelohnung entwickeln.
Damit unsere heranwachsenden Hunde ausreichend Selbstwirksamkeitserfahrungen sammeln können, brauchen sie außer den emotionalen Qualitäten auch entsprechende Lerngelegenheiten und Umgangsformen von uns Menschen. Während der Aufzucht geht es zunächst darum, dass sich neben der instinktsicheren Hündin auch der Züchter/die Züchterin ergänzend an der Fürsorge des Wurfes beteiligt. Autoren: Heinz Weidt und Dina Berlowitz